Hundegeschirr oder Halsband: Was ist besser für meinen Hund?
Hundegeschirr oder Halsband — diese Frage beschäftigt nahezu jeden Hundehalter und spaltet die Meinungen von Experten und Tierärzten gleichermaßen. Die Entscheidung zwischen Halsband oder Geschirr ist dabei weit mehr als eine Stilfrage: Sie beeinflusst die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Erziehung des Hundes maßgeblich. Während ein Hundehalsband maximale Bewegungsfreiheit bietet, verteilt ein Hundegeschirr den Leinenzug gleichmäßig auf Brust und Rücken — und schont damit die empfindliche Halsregion. Laut der Bundestierärztekammer können chronischer Druck und ruckartige Belastungen am Hals langfristig zu Schäden an Kehlkopf, Luftröhre und Halswirbelsäule führen. Dieser Artikel liefert einen fundierten Vergleich beider Varianten, stellt die gängigsten Geschirrtypen vor und gibt konkrete Empfehlungen für unterschiedliche Situationen — vom Welpen bis zum erfahrenen Hund.
Zusammenfassung: Hundegeschirr oder Halsband
- Ein Hundegeschirr verteilt den Leinenzug auf eine 5- bis 10-mal größere Fläche als ein Halsband und schont Kehlkopf, Luftröhre und Halswirbelsäule.
- Für die Leinenführigkeit empfehlen Hundetrainer ein breites Halsband -- für Spaziergänge und Hunde, die ziehen, ist ein Geschirr die bessere Wahl.
- Das Y-Geschirr gilt als ergonomisch beste Variante, da es die freie Bewegung der Schulterblätter gewährleistet -- laut der Jenaer Studie haben diese 60 % Anteil an der Vorwärtsbewegung.
- Welpen sollten in den ersten 12 Monaten ein Geschirr tragen, da das Skelett noch nicht vollständig ausgewachsen ist.
- Tierärzte und Hundetrainer empfehlen, den Hund an Halsband und Geschirr zu gewöhnen und je nach Situation zu wechseln.
🦮 Vorteile Hundegeschirr
- Druckverteilung auf Brust und Rücken
- Schont Hals, Kehlkopf und Schilddrüse
- Höhere Sicherheit gegen Herauswinden
- Ideal für Welpen, Senioren und Zieher
🔗 Vorteile Hundehalsband
- Maximale Bewegungsfreiheit
- Schnelleres An- und Ablegen
- Präzisere Kommunikation über die Leine
- Ideal für leinenführige, ruhige Hunde
Warum die Wahl zwischen Hundegeschirr oder Halsband so wichtig ist
Die Wahl zwischen Geschirr und Halsband beeinflusst direkt die Gesundheit des Hundes. Sowohl Halsband als auch Geschirr dienen dazu, den Hund an einer Leine zu führen und ihm Sicherheit im Straßenverkehr zu geben. Der entscheidende Unterschied liegt in der Kraftverteilung: Bei einem Halsband wirkt der gesamte Leinenzug auf eine Fläche von wenigen Quadratzentimetern am Hals, bei einem Geschirr verteilt sich der Druck auf Brust, Rücken und Schulterbereich.
Der Hundehals ist eine anatomisch besonders empfindliche Region. Hier befinden sich Kehlkopf, Luftröhre, Speiseröhre, die Schilddrüse, wichtige Blutgefäße und die Halswirbelsäule auf engem Raum. Tierarzt Dr. Ralph Rückert weist darauf hin, dass chronischer Druck durch ein Halsband eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) begünstigen kann — eine häufige Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion beim Hund.
In vielen deutschen Städten gilt eine Leinenpflicht. Verstöße können mit Bußgeldern von 50 bis 1.000 Euro geahndet werden, abhängig vom Bundesland. Eine kontrollierte Führung an der Leine — ob mit Geschirr oder Halsband — ist daher nicht nur gesundheitlich relevant, sondern auch rechtlich geboten.
Gesundheitliche Risiken: Halsband oder Geschirr für den Hund?
Gesundheitsgefahren durch Halsbänder
Dauerhaftes Ziehen am Halsband kann zu chronischen Entzündungen von Kehlkopf und oberer Luftröhre führen. Hunde, die regelmäßig in die Leine rennen, riskieren Verletzungen an der empfindlichen Halswirbelsäule — besonders bei seitlichen Beschleunigungen, wenn der Hund plötzlich zur Seite springt.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass starker Leinenzug am Halsband den Augeninnendruck erhöhen kann. Auch die Schilddrüse, die nur von wenig Gewebe umgeben direkt unter der Halshaut liegt, ist bei chronischem Druck gefährdet. Eine Schädigung der Halswirbelsäule äußert sich unter anderem durch schief getragenen Kopf, Schwanken oder Schmerzreaktionen beim Berühren des Halsbereichs.
Stachel-, Würge- und Zughalsbänder sind nach dem deutschen Tierschutzgesetz (§ 3 Nr. 5 TierSchG) verboten, da sie dem Hund erhebliche Schmerzen und Leiden zufügen. Auch besonders dünne Moxon- oder Showleinen, die Lasso-artig über den Hundekopf gelegt werden, können bei Zug die Luft abschnüren und sind für das Training nicht geeignet.
Mögliche Nachteile von Hundegeschirren
Ein schlecht sitzendes Hundegeschirr kann die Bewegungsfreiheit der Schulterblätter einschränken. Die Jenaer Studie zur Fortbewegung von Hunden belegt, dass das Schulterblatt einen Anteil von rund 60 % an der Vorwärtsbewegung des Vorderbeins hat. Gurte, Schnallen oder Riemen, die auf der Vorderseite der Brust liegen, können diese natürliche Bewegung blockieren.
Ein Geschirr, das zu eng sitzt, verursacht Scheuerstellen und Druckpunkte — besonders in der Achselhöhle und am Brustbein. Ist es hingegen zu locker, kann sich der Hund herauswinden. Aus diesen Gründen ist die korrekte Passform bei einem Geschirr deutlich wichtiger als bei einem Halsband.
| Gesundheitsaspekt | Halsband | Geschirr |
|---|---|---|
| Kehlkopf & Luftröhre | ⚠️ Direkte Belastung bei Zug | ✅ Keine Belastung |
| Halswirbelsäule | ⚠️ Empfindlich bei seitl. Ruck | ✅ Entlastet |
| Schilddrüse | ⚠️ Chronische Entzündung möglich | ✅ Keine Belastung |
| Schulterblätter | ✅ Keine Einschränkung | ⚠️ Bei schlechter Passform eingeschränkt |
| Augeninnendruck | ⚠️ Erhöhung bei starkem Zug | ✅ Kein Einfluss |
| Bewegungsfreiheit | ✅ Maximal | ✅ Gut (bei passender Form) |
Welche Arten von Hundegeschirren gibt es?
Hundegeschirre unterscheiden sich erheblich in ihrer Gurtführung, Druckverteilung und Eignung für verschiedene Hunderassen. Ein gutes Geschirr für Hunde muss vor allem eines gewährleisten: die freie Beweglichkeit des Schulterblatts. Die folgenden Geschirrtypen sind am weitesten verbreitet.
Y-Geschirr — die ergonomisch beste Wahl
Das Y-Geschirr gilt unter Tierphysiotherapeuten als die gesündeste Geschirrvariante. Die namensgebende Y-förmige Gurtführung verläuft zwischen den Vorderbeinen und lässt den gesamten Schulterbereich frei. Der Leinenbefestigungspunkt sitzt am Rücken, wodurch der Zug gleichmäßig auf Brust und Rumpf verteilt wird. Ein gut sitzendes Y-Hundegeschirr sollte gepolstert sein und mindestens an 3 Stellen verstellbar.
Norwegergeschirr — einfach anzulegen, aber mit Einschränkungen
Das Norwegergeschirr besitzt einen horizontalen Brustriemen und einen Rückensteg. Es lässt sich schnell über den Kopf streifen und unter dem Bauch schließen. Der Nachteil: Der Brustriemen verläuft quer über die Schultern und kann die Vorwärtsbewegung der Schulterblätter einschränken. Hundetrainer Martin Rütter weist darauf hin, dass Hunde aus einem Norwegergeschirr leichter herausschlüpfen können als aus einem Y-Geschirr.
Weitere Geschirrtypen im Vergleich
| Geschirrtyp | Schulterfreiheit | Ausbruchsicher | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Y-Geschirr | ✅ Optimal | ✅ Hoch | Die meisten Hunde |
| Norwegergeschirr | ⚠️ Eingeschränkt | ⚠️ Mittel | Ruhige, gut leinenführige Hunde |
| X-Geschirr | ✅ Optimal | ✅ Hoch | Hunde mit schmalem Brustkorb |
| Step-in-Geschirr | ✅ Gut | ⚠️ Mittel | Hunde, die kopfscheues Anlegen ablehnen |
| Sicherheitsgeschirr | ✅ Gut | ✅ Sehr hoch | Ängstliche Hunde, Tierschutzhunde |
| Ausbildungsgeschirr | ✅ Gut | ✅ Hoch | Starke Zieher, große Hunde |
Bei einem Ausbildungsgeschirr wird die Leine sowohl an einem Ring auf Brusthöhe als auch am Rücken befestigt. Springt der Hund in die Leine, wird die Kraft nicht nach vorne, sondern zur Seite umgeleitet. Dieses System eignet sich besonders für Hunde, deren Gewicht eine sichere Führung mit herkömmlichem Geschirr erschwert -- etwa ab einem Körpergewicht von 30 kg.
Das richtige Hundehalsband: Material, Breite und Passform
Wie breit sollte ein Hundehalsband sein?
Ein Hundehalsband sollte mindestens so breit sein wie der Nasenschwamm des Hundes. Der Nasenschwamm ist der vordere, meist schwarze Teil der Hundenase. Bei einem mittelgroßen Hund wie einem Labrador entspricht das etwa 3—4 cm Breite. Zu schmale Halsbänder schnüren ein und verteilen den Druck auf eine noch kleinere Fläche.

Halsband-Materialien im Vergleich
Die Wahl des Materials für ein Hundehalsband beeinflusst Tragekomfort, Haltbarkeit und Pflege. Halsbänder für Hunde aus Biothane bestehen aus einem Polyestergewebe mit Kunststoffummantelung — sie sind reißfest, wasserabweisend, schimmelfrei und fühlen sich wie Leder an. Nylonhalsbänder sind leicht und preisgünstig, trocknen schnell und eignen sich für wasserfreudige Hunde. Lederhalsbänder mit Neoprenunterfütterung bieten hohen Tragekomfort, sind jedoch pflegeintensiver.
Zwischen Halsband und Hundehals sollten zwei Finger Platz haben. So sitzt es eng genug, um ein Herauswinden zu verhindern, und locker genug, um nicht einzuschnüren. Kettengliederhalsbänder sind grundsätzlich nicht empfehlenswert, da sie beim Zug feine Härchen am Hundefell einklemmen und zusätzlichen Schmerz verursachen.
Hundegeschirr oder Halsband: Richtige Passform finden
So wird ein Hundegeschirr richtig angelegt
Messen
Brust- und Halsumfang mit Maßband messen -- eng, aber nicht einschnürend
Anlegen
Geschirr über den Kopf oder als Step-in anlegen -- je nach Modell
Anpassen
Gurte justieren: Eine Handbreit hinter dem Ellenbogen, nicht unter den Achseln
Prüfen
Bewegungstest: Hund laufen lassen, Schulterblätter müssen frei beweglich sein
Bei der Größenwahl gilt: Liegt der gemessene Brustumfang zwischen zwei Größen, sollte die größere Variante gewählt werden. Der hintere Seitengurt eines gut sitzenden Geschirrs befindet sich einige Zentimeter hinter dem Vorderbein — nicht direkt in der Achselfalte. Das Geschirr sollte fest genug sitzen, damit der Hund sich nicht herauswinden kann, aber keine Quetschungen am Brustbein verursachen.
Für Hunde mit anatomischen Besonderheiten — etwa Mops, Französische Bulldogge oder Windhunde — bieten Fachhändler Spezialgeschirre und Maßanfertigungen an. Den besten Tragekomfort und Sitz liefern in der Regel Maßanfertigungen, die exakt auf die Körpermaße des individuellen Hundes zugeschnitten sind.
Leinenführigkeit: Halsband oder Geschirr für das Training?
Für das Training der Leinenführigkeit empfehlen erfahrene Hundetrainer ein breites, gut sitzendes Halsband. Die Kommunikation über leichte Leinenimpulse ist am Halsband präziser und direkter als am Geschirr. Hundetrainer Martin Rütter und Hundetrainerin Annalisa Edeler von der Hundeschule am Rolandsbogen bestätigen: Mit einem Halsband lässt sich eine sichere Leinenführigkeit effektiver aufbauen.
Voraussetzung für die Verwendung eines Halsbandes beim Training ist allerdings, dass der Hund nicht dauerhaft in die Leine zieht. Bevor die Leinenführigkeit trainiert wird, sollte der Hund bereits grundlegende Kommandos wie “Sitz” und “Hier” beherrschen. Ohne diese Basis kann es zu unkontrollierten Situationen kommen, in denen der Hund ruckartig ins Halsband springt.
Viele Hundetrainer empfehlen, Halsband und Geschirr gleichzeitig anzulegen und die Leine je nach Situation umzuklicken. Am Geschirr befestigt, darf der Hund schnüffeln und etwas ziehen. Wird die Leine ans Halsband geklickt, beginnt der konzentrierte "Fuß-Modus". So lernt der Hund zwei klare Modi zu unterscheiden -- ohne gesundheitliche Risiken.
Hundegeschirr oder Halsband für Welpen?
Welpen sollten in den ersten 12 Lebensmonaten überwiegend ein Geschirr tragen. Das Skelett eines Welpen ist noch nicht vollständig ausgewachsen — Knochen, Gelenke und Halswirbel sind weicher und empfindlicher als bei einem ausgewachsenen Hund. Ein Geschirr verteilt den Leinenzug gleichmäßig auf den gesamten Rumpf, statt die empfindliche Halsregion zu belasten.

Ab einem Alter von 8 bis 10 Wochen kann ein leichtes Geschirr für Welpen eingeführt werden. Die Gewöhnung sollte schrittweise in der Wohnung oder im Garten erfolgen — zunächst nur für wenige Minuten am Tag. Welpen kauen mit ihren spitzen Milchzähnen Geschirre und Halsbänder gerne durch, weshalb das Equipment nicht unbeaufsichtigt getragen werden sollte.
Parallel zum Geschirr empfiehlt es sich, den Welpen frühzeitig auch an ein Halsband zu gewöhnen — zunächst ohne Leinenbefestigung. So akzeptiert der Hund später beide Varianten problemlos. Für den Alltag mit Welpen reicht ein mitwachsendes, größenverstellbares Geschirr in der Regel bis zum 6. Lebensmonat, bevor eine größere Variante nötig wird.
Wann Geschirr, wann Halsband? Empfehlungen für jede Situation
Die Entscheidung zwischen Hundegeschirr oder Halsband hängt von der konkreten Situation, dem Alter, dem Temperament und dem Ausbildungsstand des Hundes ab. Die folgende Übersicht zeigt, welche Variante in welchem Fall die sicherere und gesündere Wahl ist.
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Welpe (bis 12 Monate) | Geschirr | Skelett noch nicht ausgewachsen |
| Hund zieht stark an der Leine | Geschirr | Schonung von Kehlkopf und Halswirbeln |
| Ängstlicher / unsicherer Hund | Sicherheitsgeschirr | Verhindert Herauswinden in Panik |
| Training der Leinenführigkeit | Halsband | Präzisere Kommunikation über Leine |
| Gut leinenführiger, ruhiger Hund | Halsband | Maximale Bewegungsfreiheit |
| Schleppleine / Rückruftraining | Geschirr | Hohe Kräfte beim plötzlichen Stoppen |
| Hundesenior | Geschirr | Unterstützung und Sicherheit |
| Autofahrt | Geschirr (mit Gurt-Adapter) | Sicherung über Brustbereich, nie am Halsband |
Geschirr und Halsband nach Hundegröße wählen
Hundegeschirr für kleine Hunde und Welpen
Kleine Hunderassen wie Chihuahua, Dackel oder Yorkshire Terrier haben besonders feine Halswirbel und eine empfindliche Trachea. Für Hunde unter 10 kg Körpergewicht empfehlen Tierärzte grundsätzlich ein leichtes, gepolstertes Geschirr. Ein Geschirr für kleine Hunde sollte schmale, weiche Gurte haben und an mindestens 2 Stellen verstellbar sein. Bei Dackel-ähnlichen Rassen mit langem Rücken ist die Frage Halsband oder Geschirr besonders relevant, da die Wirbelsäule bereits rassebedingt anfälliger ist.
Hundegeschirr für große Hunde
Große Hunderassen ab 30 kg Körpergewicht entwickeln beim Ziehen an der Leine erhebliche Kräfte. Ein Geschirr für große Hunde muss daher besonders stabil, breitgurtig und mit robusten Verschlüssen ausgestattet sein. Hunde wie Labrador, Schäferhund oder Rottweiler profitieren von einem Y-Geschirr mit breiter Polsterung. Ein Ausbildungsgeschirr mit Frontring ist bei schwer kontrollierbaren Hunden eine sinnvolle Ergänzung, da es die Zugkraft seitlich umlenkt.
Kosten: Was kostet ein gutes Hundegeschirr oder Halsband?
Ein hochwertiges Hundehalsband aus Biothane oder gepolstertem Leder kostet zwischen 15 und 40 Euro. Ein gutes Y-Geschirr mit Polsterung und mehrfacher Verstellbarkeit liegt bei 25 bis 60 Euro. Maßanfertigungen beginnen bei etwa 60 Euro. Tierärzte raten von Billig-Geschirren unter 15 Euro ab, da diese häufig schlecht verarbeitet sind, scheuern und nicht korrekt sitzen.
Bei Welpen, die innerhalb des ersten Lebensjahres 2 bis 3 Geschirrgrößen durchwachsen, können die Kosten höher ausfallen. Mitwachsende Geschirre mit großem Verstellbereich reduzieren diesen Aufwand. Wer sowohl Halsband als auch Geschirr anschafft, investiert ab etwa 40 bis 80 Euro in die maximale Flexibilität für jede Lebenssituation des Hundes.
Häufige Fehler bei Geschirr und Halsband vermeiden
Der häufigste Fehler ist ein falsch sitzendes Geschirr. Liegt der Brustriemen zu weit oben auf den Schultern, blockiert er die Schulterbewegung — das betrifft insbesondere Norwegergeschirre. Liegt der hintere Gurt direkt in der Achselfalte, entstehen schmerzhafte Scheuerstellen. Ein gut sitzendes Geschirr sollte daher vor dem ersten Spaziergang in Ruhe angepasst und im Laufen überprüft werden.
Ein weiterer häufiger Fehler: Das Geschirr wird den ganzen Tag getragen. Geschirre sollten nur bei Spaziergängen und Ausflügen angelegt werden — nicht permanent in der Wohnung oder beim Spielen. Dauerhaftes Tragen kann zu Hautirritationen, verfilztem Fell und Druckstellen führen. Halsbänder mit Namensschild können hingegen als permanente Identifikation getragen werden, sofern sie locker genug sitzen.
Hunde mit breitem Hals und schmalem Kopf — etwa Mops, Französische Bulldogge oder übergewichtige Hunde — können sich aus einem Halsband leicht herauswinden. Für diese Rassen ist ein Geschirr die sicherere Wahl. Umgekehrt können Hunde mit schmalem Brustkorb, wie Windhunde oder Whippets, aus zu locker sitzenden Geschirren schlüpfen und benötigen ein speziell geschnittenes Windhundgeschirr.
Fazit: Hundegeschirr oder Halsband — beides hat seinen Platz
Die Antwort auf die Frage “Hundegeschirr oder Halsband?” lautet in den meisten Fällen: beides. Jeder Hund sollte sowohl ein Geschirr als auch ein Halsband besitzen und an beide Varianten gewöhnt sein. Ein Hundegeschirr schützt die empfindliche Halsregion und ist die bessere Wahl für Welpen, Senioren, ängstliche Hunde und alle Vierbeiner, die an der Leine ziehen. Ein gut sitzendes Halsband bietet maximale Bewegungsfreiheit und ermöglicht präzisere Kommunikation beim Training der Leinenführigkeit.
Entscheidend ist in beiden Fällen die korrekte Passform. Ein Geschirr muss die freie Bewegung der Schulterblätter gewährleisten, ein Halsband mindestens so breit wie der Nasenschwamm des Hundes sein. Die wichtigste Grundlage für einen gesunden Spaziergang — ob mit Halsband oder Geschirr — bleibt eine gute Leinenführigkeit. Denn wenn kein Zug auf der Leine entsteht, sind beide Varianten gesundheitlich unbedenklich.
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Häufig gestellte Fragen
Ist ein Hundegeschirr besser als ein Halsband?
Ein Hundegeschirr verteilt den Leinenzug auf Brust und Rücken und schont damit die empfindliche Halsregion. Für Hunde, die an der Leine ziehen, ängstlich oder noch in der Ausbildung sind, ist ein Geschirr die gesündere Wahl. Gut leinenführige Hunde können problemlos ein Halsband tragen. Tierärzte empfehlen, den Hund an beides zu gewöhnen und je nach Situation zu wechseln.
Ab welchem Alter darf ein Welpe ein Geschirr tragen?
Welpen können ab einem Alter von 8 bis 10 Wochen an ein leichtes, gut sitzendes Geschirr gewöhnt werden. Da das Skelett noch nicht vollständig ausgewachsen ist, empfehlen Tierärzte in den ersten 12 Monaten grundsätzlich ein Geschirr statt eines Halsbandes. Der Druck verteilt sich dabei gleichmäßig auf den Körper und belastet nicht die noch empfindlichen Halswirbel.
Welches Hundegeschirr ist das beste für meinen Hund?
Das Y-Geschirr gilt unter Tierphysiotherapeuten als ergonomisch beste Wahl, da es die freie Bewegung der Schulterblätter ermöglicht. Die Y-förmige Gurtführung verläuft zwischen den Vorderbeinen und lässt den Schulterbereich frei. Für ängstliche Hunde eignet sich ein Sicherheitsgeschirr mit drittem Bauchgurt, für Hunde mit schmalem Brustkorb ein X-Geschirr.
Kann ein Halsband dem Hund schaden?
Dauerhaftes Ziehen am Halsband kann zu chronischen Entzündungen von Kehlkopf und Luftröhre, Schäden an der Halswirbelsäule und Problemen mit der Schilddrüse führen. Laut tiermedizinischen Studien kann chronischer Leinenzug am Halsband eine Schilddrüsenentzündung begünstigen und den Augeninnendruck erhöhen. Bei gut leinenführigen Hunden besteht bei korrekter Anwendung jedoch keine Gefahr.
Halsband oder Geschirr für die Leinenführigkeit?
Hundetrainer wie Martin Rütter empfehlen, die Leinenführigkeit mit einem breiten, gut sitzenden Halsband zu trainieren, da die Kommunikation über leichte Leinenimpulse präziser ist. Beim normalen Spaziergang oder bei Hunden, die noch ziehen, sollte die Leine am Geschirr befestigt werden. Beide Varianten gleichzeitig zu tragen und je nach Situation umzuklicken, gilt als bewährte Methode.
Wie breit sollte ein Hundehalsband sein?
Ein Hundehalsband sollte mindestens so breit sein wie der Nasenschwamm des Hundes – also der vordere, meist schwarze Teil der Hundenase. Bei einem mittelgroßen Hund entspricht das etwa 3 bis 4 Zentimetern Breite. Zwischen Halsband und Hundehals sollten zwei Finger Platz haben, um Einschnüren zu verhindern, aber ein Herauswinden zu erschweren.
Darf man Halsband und Geschirr gleichzeitig verwenden?
Halsband und Geschirr gleichzeitig zu tragen ist eine empfohlene Praxis vieler Hundetrainer. Dabei wird die Leine je nach Situation umgeklickt: Am Geschirr befestigt, darf der Hund etwas ziehen, etwa beim Schnüffeln. Am Halsband befestigt, wird konzentriert an der Leinenführigkeit gearbeitet. Diese Methode kombiniert gesundheitlichen Schutz mit effektivem Training.
Quellen
- [1] Dr. Ralph Rückert – Die ewige Frage: Halsband oder Geschirr?
- [2] PETA Deutschland – Halsband oder Geschirr: Was ist besser für Hunde?
- [3] Martin Rütter – Halsband oder Brustgeschirr?
- [4] futalis – Geschirr oder Halsband bei Welpen? Expertentipps
- [5] RINTI Magazin – Halsband oder Geschirr? Ein Überblick
- [6] ZooRoyal Magazin – Halsband oder Geschirr für deinen Hund?
- [7] Partner Hund / Herz für Tiere – Halsband oder Geschirr: So treffen Sie die richtige Wahl
- [8] vetevo – Spaziergang mit dem Hund: Halsband oder Geschirr?